Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes für den Fußballverein FSV Cappel in Marburg

Förderkennzeichen: 67APS2169
Förderprogramm:
Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen (AnpaSo) im Rahmen des Programms „Nationale Klimaanpassung“ vom 29.04.2024
Förderschwerpunkt: Entwicklung von Konzepten zur Anpassung an den Klimawandel (FSP 1)

Das Projekt und unsere Ziele

Der FSV 1926 Cappel e.V. entwickelt als erster Sportverein Deutschlands im Rahmen dieses geförderten Projekts ein Klimaanpassungskonzept für den Sportplatz am Köppel in Marburg. Ziel ist es, unseren Sportplatz und den Vereinsalltag besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten – also zum Beispiel auf immer heißere Sommer, starke Regenfälle oder längere Trockenperioden. Für uns als Fußballverein ist ein Anpassungskonzept besonders wichtig, da Kinder & Jugendliche wie auch Senioren als vulnerable Gruppe (machen den Großteil unserer Mitglieder aus) besonders vom Klimawandel betroffen sind.

Dafür analysieren wir den aktuellen Zustand und identifizieren sensible Orte, kritische Situationen und vulnerable Personengruppen, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen sind. Auf dieser Grundlage wird ein Plan erstellt, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um besser mit den Veränderungen umzugehen. Dazu gehören konkrete Schritte und eine Struktur, wann welche Dinge umgesetzt werden sollen. Auch die möglichen Kosten hierfür werden ermittelt.


Wichtig ist dabei, dass nicht nur „von oben entschieden“ wird: Spielerinnen und Spieler, Trainer, Eltern und weitere Beteiligte werden aktiv eingebunden und können ihre Erfahrungen und Ideen einbringen. Außerdem werden auch Maßnahmen berücksichtigt, die nicht unbedingt baulich/technischen Ursprungs sind – zum Beispiel mehr Aufklärung, bessere Abläufe oder Verhaltensanpassungen im Verein.

Ein besonderer Fokus liegt auf Lösungen, die mit der Natur arbeiten, zum Beispiel mehr Schatten, bessere Begrünung oder ein schonender Umgang mit Wasser.

Am Ende soll ein tragfähiges Konzept entstehen, das uns vom FSV Cappel hilft, langfristig mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und den Sportbetrieb und -besuch auch in Zukunft sicher und attraktiv aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig kann das Vorhaben als Orientierung für andere Vereine dienen und zeigen, wie Klimaanpassung im Amateur- und Breitensport konkret umgesetzt werden kann.

PROJEKTBETEILIGTE

Gute Lösungen entstehen nicht allein –
sondern durch unterschiedliche Perspektiven und gemeinsames Denken

BUNDESUMWELTMINISTERIUM

Das Bundesministerium für Umwelt ist der Auftraggeber des Förderprogramms. Es sorgt auf Bundesebene dafür, dass Themen wie Klimaschutz und Klimaanpassung vorangebracht werden. Mit Programmen wie „AnpaSo“ unterstützt das Ministerium Projekte, die Menschen, Vereine und soziale Einrichtungen dabei helfen, besser mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

ZUKUNFT – UMWELT – GESELLSCHAFT

Die ZUG ist der Projektträger des Bundes für viele Umwelt- und Klimaprojekte. Sie setzt die Förderprogramme im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt um. Das bedeutet: Sie prüft Anträge, begleitet Projekte während der Umsetzung und sorgt dafür, dass die Fördermittel richtig eingesetzt werden.

ÖKO-INSTITUT CONSULT GMBH

Die Öko-Institut Consult GmbH ist eine 100%-Tochter des Öko-Institut e.V. und arbeitet zu Themen rund um Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit. Gemeinsam gehören sie zu den führenden unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für nachhaltige Entwicklung in Deutschland und Europa. Im Projekt bringt das Öko-Institut sein Fachwissen dazu ein, wie Klimaanpassung sinnvoll und nachhaltig umgesetzt werden kann.

ATELIER-SPITZNER GMBH

Das Atelier Spitzner aus Großseelheim plant und entwirft Neu- und Altbauten, ist überwiegend regional tätig und hat sich für die Betrachtung der Gebäude in Mittelhessen mit energetischem Schwerpunkt verschrieben.
Im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts unterstützt es dabei, konkrete und umsetzbare Lösungen für den Sportplatz am Köppel zu entwickeln.

LEAN FM GMBH

Lean FM ist eine international tätige Beratungs- und Managementgesellschaft für Konzipierung, Implementierung und Betrieb digitaler Serviceprozesse für komplexe und kritische Infrastrukturen.

Im Projekt unterstützt Lean FM praxistaugliche Maßnahmen zu definieren und diese langfristig in den Vereinsstrukturen zu etablieren. 


Universitätsstadt marburg

Die Stadt Marburg hat ergänzend zum Klima-Aktionsplan 2030 ein eigenes Handlungskonzept entwickelt, um auf die bereits spürbaren und zukünftigen Folgen des Klimawandels zu reagieren. Die im Rahmen des AnpaSo-Projekts für die Sportanlage am Köppel entwickelten Maßnahmen fügen sich in dieses gesamtstädtische Konzept ein. Darüber hinaus unterstützt die Stadt Marburg das Vorhaben durch fachliche Expertise sowie durch ein langfristiges Nutzungskonzept und einen entsprechenden Nutzungsvertrag, um die nachhaltige Umsetzung der Maßnahmen sicherzustellen.

BEWERBUNGSPHASE

Wir haben uns als Sportverein für die Förderung zur Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen beworben. Dabei ist der FSV Cappel mit seiner Mitgliederstruktur und einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen laut AnpaSo-Förderrichtlinie als „soziale Einrichtung“ einzuordnen, die vulnerable (besonders zu schützende) Personengruppen betreut, versorgt und fördert.

Als Nutzer einer älteren, kommunalen Sportanlage ist der FSV Cappel dabei ein Muster für tausende Vereine im Bundesgebiet.

Durch seine gute Vernetzung in Verbänden und Kommune, sowie seine ausgeprägt Öffentlichkeitsarbeit hat unser Verein darüber hinaus eine hohe Reichweite.

AUFTAKTTREFFEN

Am 02.10.2025 fand das Auftakttreffen im Rahmen des Förderprojekts „AnpaSo- FSP1“ auf dem Vereinsgelände am Köppel statt.

Pünktlich zum offiziellen Projektstart konnten sich so die Projektbeteiligten untereinander kennenlernen und sich einen ersten Eindruck von unserer Vereinsanlage verschaffen.

Dabei nahmen Vertreterinnen und Vertreter des FSV Cappel und den Projektpartnern Öko-Institut, Atelier Spitzner und Lean FM teil.

ortsbegehung

Ziel war es, sich einen ersten Eindruck von den baulichen Gegebenheiten und der Nutzung der Anlage zu verschaffen. Die Begehung diente außerdem dazu, mögliche erste Ansatzpunkte für die weitere Analyse im Projektverlauf zu identifizieren und ein gemeinsames Verständnis für die örtlichen Besonderheiten zu entwickeln.

Wie geht es weiter?

Das Auftakttreffen bildete die Grundlage für die anschließenden Arbeitsschritte im Projekt, insbesondere für die Betroffenheitsanalyse sowie die bauliche Bestandserfassung.

Wissenschaftliche betroffenheitsanalyse

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die sogenannte Betroffenheitsanalyse – also die Frage: Wie genau wirkt sich der Klimawandel konkret auf unsere Vereinsanlage aus – heute und in Zukunft?

Diese Analyse wurde vom Öko-Institut durchgeführt. Das Institut gehört zu den etablierten Forschungs- und Beratungseinrichtungen im Bereich Umwelt- und Klimafragen und unterstützt seit vielen Jahren Kommunen, Organisationen und Unternehmen dabei, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen.

Der Mehrwert dabei: Es geht nicht um allgemeine Aussagen wie „es wird wärmer“, sondern um konkrete, standortbezogene Einschätzungen für unsere Anlage in Marburg-Cappel.


Was bedeutet „Betroffenheitsanalyse“ konkret?

Die Betroffenheitsanalyse untersucht systematisch, welche klimatischen Veränderungen bereits messbar sind, welche Entwicklungen in Zukunft zu erwarten sind, welche Bereiche unserer Anlage besonders betroffen sind und welche Risiken sich daraus für den Vereinsbetrieb ergeben. Dafür werden wissenschaftliche Daten, beispielsweise vom Deutschen Wetterdienst, mit regionalen Klimaprojektionen sowie standortspezifischen Informationen kombiniert.

Zentrale Erkenntnisse für den Standort in Marburg

Die Auswertung zeigt deutlich: Die Klimaveränderungen sind auch auf lokaler Ebene bereits spürbar – und werden sich weiter verstärken.

In Deutschland – und auch in Marburg – steigen die Durchschnittstemperaturen seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Besonders relevant für den Vereinsalltag ist dabei die Zunahme sogenannter heißer Tage mit Temperaturen über 30 °C. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Belastung für Personen vor Ort steigt, insbesondere für Kinder und ältere Menschen (vulnerable Gruppen). Gleichzeitig heizen sich Gebäude wie das Vereinsheim stärker auf, und auch Außenflächen sind in Hitzeperioden teilweise nur eingeschränkt nutzbar. Wichtig ist dabei, dass es sich nicht nur um einen Trend der Vergangenheit handelt, sondern dass sich diese Entwicklung laut Klimaprojektionen weiter verstärken wird. 

Neben der Temperatur verändern sich auch die Niederschlagsmuster. Die Gesamtmenge an Regen bleibt zwar vergleichsweise stabil, entscheidend ist jedoch die veränderte Verteilung. Regen fällt zunehmend ungleichmäßiger und intensiver. Das bedeutet längere trockene Phasen, gleichzeitig aber häufiger Starkregenereignisse, bei denen sehr viel Regen in kurzer Zeit fällt. Für die Vereinsanlage kann das zu einer kurzfristigen Überlastung von Flächen und Entwässerungssystemen führen und die Nutzung bei starken Regenfällen einschränken. Für den Standort des FSV Cappel wurde zudem festgestellt, dass er in einem Bereich mit erhöhtem Starkregenrisiko liegt, auch wenn aktuell keine zusätzlichen Abflussrisiken bestehen. 

Was betrifft uns wirklich?

Ein wichtiger Teil der Analyse ist die Priorisierung von Risiken. Denn nicht jede theoretische Klimafolge ist für unseren Standort gleich relevant.

Auf Basis der Daten, der Ortsbegehung und erster Rückmeldungen aus dem Verein wurde deutlich, dass insbesondere Hitze

  1.  sowohl in Form akuter Hitzewellen als auch durch langfristig steigende Temperaturen
  2. sowie Starkregen eine hohe Relevanz für die Vereinsanlage haben.

Diese beiden Themen stehen im Mittelpunkt der weiteren Planung.

Weitere Wetterereignisse wie Gewitter, einschließlich Blitz, sowie Sturm wurden als mittel relevant eingestuft. Sie können ebenfalls Auswirkungen auf den Vereinsbetrieb haben, stehen jedoch nicht im gleichen Fokus wie Hitze und Starkregen. Risiken wie Hochwasser, Waldbrand oder extreme Kälteereignisse spielen am konkreten Standort dagegen eine untergeordnete Rolle und werden im weiteren Projektverlauf nicht vertieft.

Die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Analyse sind nicht isoliert zu betrachten, sondern greifen direkt in die weiteren Projektschritte über. Zusammen mit der baulichen Bestandserfassung und den Rückmeldungen aus der Umfrage im Verein ergibt sich ein Gesamtbild: Wo treten heute schon Probleme auf, wo wird es in Zukunft kritisch – und wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Marburg in Zahlen

©️ Magistrat der Universitätsstadt Marburg, Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung, Statistik, Dashboard: „Marburg in Zahlen“

Starkregenviewer Hessen

©️ Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) (erstellt durch Forschungszentrum Jülich / Universität Hannover), Kartengrundlage: HVBG

Bauliche Bestandserfassung

Neben der wissenschaftlichen Analyse der Klimarisiken wurde auch der aktuelle Zustand der Vereinsanlage umfassend untersucht. Diese sogenannte bauliche Bestandserfassung bildet eine wichtige Grundlage, um gezielt Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickeln zu können.

Die Begutachtung wurde durch das Atelier Spitzner durchgeführt. Ziel war es, sowohl das Vereinsgebäude als auch die Außenflächen systematisch zu analysieren und zu bewerten, wie gut die Anlage bereits auf die aktuellen und zukünftigen klimatischen Anforderungen vorbereitet ist.


Wie reagiert das Vereinsheim auf Hitze?

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand zunächst das Vereinsheim. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere steigende Temperaturen eine zentrale Herausforderung darstellen.

Ein wesentlicher Faktor ist der fehlende Sonnenschutz an den Fenstern. Dadurch kann sich das Gebäude an warmen Tagen stark aufheizen, da die Sonnenstrahlung ungehindert in die Innenräume gelangt. Gleichzeitig gibt es keine zentrale Lüftungs- oder Klimaanlage, die für einen regelmäßigen Luftaustausch oder eine aktive Kühlung sorgen könnte. Die vorhandenen dezentralen Ablüfter reichen dafür nur eingeschränkt aus.

Zusätzlich entsteht im Gebäude selbst Wärme, etwa durch technische Anlagen. So gibt die Kühlzelle für Getränke kontinuierlich Abwärme an angrenzende Räume ab, was die Aufheizung weiter verstärkt.

Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch, dass bereits einzelne energetische Maßnahmen vorhanden sind. Dazu gehören unter anderem eine Photovoltaikanlage – deren Erweiterung um einen Speicher geplant ist – sowie eine Gasheizung mit Pufferspeicher und Fußbodenheizung. Auch die Gebäudehülle ist gedämmt. Diese bestehenden Strukturen bieten eine gute Grundlage, auf der zukünftige Anpassungsmaßnahmen aufbauen können.


Versiegelung und ihre Folgen

Neben dem Gebäude wurde auch das gesamte Gelände betrachtet. Dabei fiel besonders auf, dass ein großer Teil der Flächen versiegelt ist, beispielsweise durch Asphalt oder andere befestigte Materialien.

Diese Versiegelung hat mehrere Auswirkungen: Regenwasser kann nur eingeschränkt im Boden versickern und wird stattdessen direkt in die Kanalisation abgeleitet. Gleichzeitig heizen sich versiegelte Flächen im Sommer deutlich stärker auf und geben die Wärme an ihre Umgebung ab. Dadurch entstehen lokal höhere Temperaturen, die sich negativ auf die Aufenthaltsqualität auswirken. Zudem geht durch die Versiegelung ein Großteil der natürlichen Biodiversität verloren.

Aufenthaltsqualität und Schutz vor Wetterextremen

Ein zentrales Ergebnis der Bestandsaufnahme betrifft die Aufenthaltsqualität auf dem Gelände. Aktuell gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten, sich im Außenbereich vor intensiver Sonneneinstrahlung oder Starkregen zu schützen.

Zwar existiert im Randbereich der Anlage ein Baumbestand, der grundsätzlich Schatten bieten könnte, dieser wird jedoch kaum aktiv genutzt, da dort beispielsweise keine Sitzmöglichkeiten vorhanden sind. Auch andere Bereiche der Anlage, wie etwa die Tribüne, sind vollständig versiegelt und verfügen über keine Verschattung. Gerade an heißen Tagen sind diese Bereiche daher nur eingeschränkt nutzbar.

Diese fehlenden Schutzmöglichkeiten betreffen insbesondere die Nutzergruppen, die im Projekt eine besondere Rolle spielen, etwa Kinder und ältere Menschen.

Wasser und ungenutzte Flächen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umgang mit Wasser auf der Anlage. Derzeit wird Regenwasser nicht vor Ort genutzt, sondern vollständig in die Kanalisation abgeleitet. Gleichzeitig wird der Naturrasen über eine Sprinkleranlage mit Frischwasser bewässert.

Darüber hinaus konnten im Rahmen der Bestandsaufnahme mehrere Flächen identifiziert werden, die aktuell wenig oder gar nicht genutzt werden. Dazu zählen unter anderem eine Aschelaufbahn sowie angrenzende versiegelte Wegeflächen, die keine klare Funktion mehr erfüllen. Diese Bereiche bieten Potenzial für zukünftige Umgestaltungen im Sinne der Klimaanpassung.

Die bauliche Bestandserfassung macht deutlich, an welchen Stellen die Vereinsanlage bereits gut aufgestellt ist und wo konkreter Handlungsbedarf besteht. Besonders im Hinblick auf Hitzeentwicklung, Versiegelung und fehlende Schutzmöglichkeiten zeigen sich klare Ansatzpunkte für Verbesserungen.

BESTANDSPLAN GESAMTGELÄNDE
BESTANDSPLAN GEBÄUDE UND UMGEBUNG

Umfrage im verein: WAHRNEHMUNG VOR ORT

Neben der wissenschaftlichen Analyse und der baulichen Bestandserfassung spielt auch die Perspektive der Menschen im Verein eine zentrale Rolle. Denn diejenigen, die regelmäßig auf der Anlage sind, erleben Veränderungen oft ganz konkret im Alltag.

Aus diesem Grund wurde beim FSV Cappel eine Umfrage durchgeführt, die sich mit der subjektiven Wahrnehmung von Mitgliedern und Besucher:innen beschäftigt. Ziel war es herauszufinden, wo bereits heute Probleme auftreten, wie diese wahrgenommen werden und welche Wünsche es für die Zukunft gibt.

Die Umfrage wurde online durchgeführt, gleichzeitig bestand aber auch die Möglichkeit, sie direkt vor Ort auf einem Tablet auszufüllen. Gerade für Kinder und ältere Mitglieder wurde so ein möglichst niedrigschwelliger Zugang geschaffen.


Wer wurde befragt?

Um ein möglichst differenziertes Bild zu erhalten, wurden die Teilnehmenden zunächst nach Altersgruppen eingeteilt. Dabei wurde zwischen unter 14-Jährigen, Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, Erwachsenen im Alter von 19 bis 59 Jahren sowie Personen ab 60 Jahren unterschieden.

Zusätzlich wurde erfasst, wie häufig sich die Personen auf der Anlage am Köppel aufhalten und in welcher Rolle sie im Verein aktiv sind – beispielsweise als Spieler:in, Trainer:in, Verantwortliche:r oder als Zuschauer:in. So konnten unterschiedliche Perspektiven gezielt berücksichtigt werden.

Für die Umfrage gab es allgemeine Fragen für alle Teilnehmenden und spezifische Fragen für einzelne Nutzergruppen. Dabei wurden die Fragen für die unter 14-Jährigen bei gleicher Aussagekraft kindgerecht formuliert.

Insgesamt nahmen 155 Personen an der Umfrage teil.

Worum ging es in der Umfrage?

Im Mittelpunkt standen Fragen zur persönlichen Wahrnehmung von Wetter und Klima auf der Anlage. Dabei ging es um Situationen aus dem Vereinsalltag.

Die Teilnehmenden wurden unter anderem gefragt, ob es ihnen auf dem Gelände schon einmal zu heiß war, ob sie extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Sturm oder Gewitter erlebt haben oder ob sie sich in bestimmten Situationen unwohl fühlen. Auch ganz konkrete Erfahrungen wurden abgefragt, zum Beispiel ob es auf der Tribüne im Sommer bereits so heiß war, dass man aktiv in den Schatten ausweichen musste, oder ob das Vereinsheim schon einmal verlassen wurde, weil es drinnen zu warm war.

Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf herauszufinden, in welchen Wettersituationen sich die Menschen am Köppel besonders unwohl fühlen – etwa bei großer Hitze, starkem Regen, Sturm oder Kälte.

Darüber hinaus wurden die Teilnehmenden gebeten, einzuschätzen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Dabei konnten verschiedene Themen wie Hitze, Starkregen, Sturm oder Kälte gewichtet werden. Ergänzend dazu ging es auch um spezifische Maßnahmen: Beispielsweise wurde abgefragt, wie wichtig Schattenplätze auf der Tribüne, ein kühleres Vereinsheim oder Schutz vor Regen und Wind eingeschätzt werden.

Ein offenes Antwortfeld bot außerdem Raum für eigene Ideen und Vorschläge, was aus Sicht der Mitglieder verbessert werden könnte.

Für Trainer:innen, Verantwortliche und andere aktive Personen im Verein wurden ergänzend spezifische Fragen gestellt, die sich stärker auf den Spiel- und Trainingsbetrieb beziehen.

Dabei ging es unter anderem darum, ob Trainingseinheiten oder Spiele aufgrund von Hitze bereits verlegt oder sogar abgesagt werden mussten, ob es in der Vergangenheit zu Unterbrechungen durch Starkregen, Gewitter oder Sturm gekommen ist und ob extreme Wetterbedingungen bereits zu medizinischen Vorfällen geführt haben.

Auch wurde erfasst, ob sich die Aktiven ausreichend über Wetterlagen informiert fühlen und wissen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren sollen.

Diese zusätzlichen Fragen helfen dabei, die Auswirkungen von Wetterextremen nicht nur subjektiv wahrzunehmen, sondern auch im konkreten Ablauf des Spielbetriebs einzuordnen.

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Insgesamt nahmen 155 Personen an der Umfrage teil, wobei die größte Teilnehmendengruppe aus den 19-59-Jährigen stammte. Die vulnerable Personengruppe der jungen (Kinder und Jugendliche) und älteren Mitglieder betrug 61 Personen (39,35%).

Auffällig war, dass die Befragten in der Regel das Sportgelände mehrmals pro Woche besuchen und das unabhängig vom Alter / Gruppe.

Die Gruppe der Jugendspieler:innen und die der Besucher:innen stellen am Köppel die größten Nutzergruppen, wobei Mehrfachnennungen nicht möglich waren.

Die Befragten waren aufgefordert ihre Wahrnehmung zu Extremwetter und Klimaanpassung in folgenden einzelnen Kategorien einzubringen:

  • persönliche Betroffenheit: Wie stark wird Extremwetter subjektiv als Problem erlebt?
  • vereinsbezogener Handlungsbedarf: Wie stark sehen die Befragten den Verein in der Handlungspflicht?
  • Maßnahmengewichtung: Wie stark wird hieraus ein aktiver Umsetzungswunsch abgeleitet?

Um den Umfang des Projekts aus Sicht der vulnerablen Zielgruppe zu definieren, wurde gezielt nach Bereichen zur Klimaanpassung gefragt. Dabei wurden durch die Befragten deutlich Maßnahmen gegen extreme Hitze und Sonneneinstrahlung aber auch Starkregen und Unwetter auf der Tribüne fokussiert (unabhängig von den einzelnen Nutzergruppen).

Konkret wurde im Folgenden nach Ideen und Vorschlägen für Maßnahmen gefragt. Hier war die Idee der Überdachung im Außenbereich – welche nach Meinung der Befragten für mehrere Extremwetterereignisse Schutz bieten kann – am häufigsten genannt. Auch einen Sonnenschutz für das Clubheim sahen viele Personen als sinnvolle Maßnahme an. Neben weiteren, weniger genannten Vorschlägen, gab es auch Ideen, welche von der Projektleitung als „nicht relevant“ eingestuft wurden. Beispiel hierfür war die Installation einer Klimaanlage – einer Maßnahme, welche dem Ansatz und den Kriterien des AnpaSo-Projekts nicht entsprechen würde.


Stichprobe
Massnahmen
Betroffenheit

WORKSHOP:
ENTWICKLUNG ERSTER MAßNAHMEN

Nachdem die wissenschaftliche Betroffenheitsanalyse, die bauliche Bestandserfassung sowie die Umfrage im Verein erste wichtige Erkenntnisse geliefert hatten, ging es im nächsten Schritt darum, diese zusammenzuführen und daraus konkrete Ideen für Maßnahmen zu entwickeln.

Dazu fand am 26.02.2026 ein Workshop im Bürgerhaus Cappel statt, an dem verschiedene Beteiligte aus dem Verein sowie aus dem Projektumfeld teilgenommen haben. Ziel war es, die bisherigen Ergebnisse gemeinsam zu reflektieren und darauf aufbauend erste Lösungsansätze zu erarbeiten.

Vorgehen im Workshop

Zu Beginn wurden die zentralen Erkenntnisse aus den vorherigen Projektphasen vorgestellt. Darauf aufbauend haben sich die Teilnehmenden in Kleingruppen aufgeteilt und intensiv darüber ausgetauscht, welche konkreten Maßnahmen aus ihrer Sicht sinnvoll und umsetzbar sind.

Im Fokus standen dabei vor allem die zuvor identifizierten zentralen Herausforderungen: Hitze, Starkregen sowie Gewitter und Sturm. Für diese Bereiche wurden gezielt Ideen gesammelt, diskutiert und weiterentwickelt.

Anschließend wurden die Ergebnisse im Plenum zusammengetragen und gemeinsam bewertet. Dabei ging es nicht nur um die Frage, was sinnvoll wäre, sondern auch darum, wie aufwendig die Umsetzung ist und welchen konkreten Nutzen die jeweilige Maßnahme bringt.

Welche Ideen wurden entwickelt?

Im Workshop ist eine Vielzahl an Ideen entstanden, die sowohl bauliche Veränderungen als auch organisatorische Maßnahmen umfassen.

Ein zentraler Ansatzpunkt war der Umgang mit Hitze auf dem Gelände. Hier wurden unter anderem Maßnahmen wie die Reduzierung versiegelter Flächen und zusätzliche Begrünung – beispielsweise durch Pflanzen, hohe Gräser oder Fassadenbegrünung – diskutiert. Auch konkrete Anpassungen am Gebäude wurden angesprochen, etwa zusätzlicher Sonnenschutz oder der Umgang mit Abwärme, zum Beispiel durch den Kühlraum.

Darüber hinaus wurden auch einfache, niedrigschwellige Maßnahmen eingebracht, etwa das Bereitstellen von Sonnencreme oder Trinkmöglichkeiten im Außenbereich.

Im Hinblick auf Starkregen stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Schutz und Wassermanagement verbessert werden können. Hier wurden unter anderem Überdachungen als Unterstellmöglichkeiten sowie die Nutzung und Speicherung von Regenwasser über Zisternen diskutiert. Auch die Entsiegelung von Flächen wurde als wichtiger Ansatz identifiziert, um eine verbesserte Versickerung zu ermöglichen.

Für den Umgang mit Gewitter und Sturm wurden vor allem Schutzmöglichkeiten und klare Strukturen thematisiert. Dazu gehören beispielsweise Unterstellmöglichkeiten sowie die Entwicklung von Konzepten, die festlegen, wie im Ernstfall reagiert wird.

Bewertung und priorisierung

Ein wichtiger Teil des Workshops war die gemeinsame Bewertung der gesammelten Ideen. Die Maßnahmen wurden danach eingeordnet, wie hoch ihr Nutzen ist und wie aufwendig ihre Umsetzung wäre.

Dabei entstand eine klare Struktur:

Maßnahmen mit hohem Nutzen und gleichzeitig geringem Aufwand wurden als besonders prioritäre Ansätze identifiziert. Dazu gehören beispielsweise organisatorische Maßnahmen wie klare Verhaltensregeln bei Hitze oder Gewitter, aber auch kleinere bauliche Anpassungen wie Sonnenschutz für bestimmte Bereiche.

Gleichzeitig wurden auch Maßnahmen mit hohem Nutzen, aber größerem Aufwand diskutiert. Diese wurden als strategisch wichtig eingeordnet, da sie langfristig einen großen Beitrag zur Klimaanpassung leisten können.

Ideen mit geringem Nutzen und gleichzeitig hohem Aufwand wurden dagegen bewusst nicht weiterverfolgt, um den Fokus auf sinnvolle und realistische Lösungen zu legen.

Was wir aus dem Workshop mitnehmen

Im Workshop wurde deutlich, dass eine Maßnahme von vielen Teilnehmenden als besonders wirkungsvoll eingeschätzt wird: die Schaffung einer dauerhaften, fest installierten Überdachung auf dem Gelände.

Eine solche Überdachung würde gleichzeitig Schutz vor Hitze, UV-Strahlung, Starkregen und Gewitter bieten und könnte – beispielsweise in Kombination mit einer Begrünung oder einer Regenwassernutzung – mehrere Funktionen miteinander verbinden. Wichtig war den Teilnehmenden dabei vor allem, dass diese unabhängig vom Vereinsheim jederzeit zugänglich und nutzbar ist. Dieser Wunsch deckte sich mit dem Ergebnis der Umfrage.

Die im Workshop entwickelten und priorisierten Maßnahmen bilden die Grundlage für die nächsten Projektschritte. Auf Basis dieser Ergebnisse werden im weiteren Verlauf konkrete Maßnahmen ausgewählt und detaillierter ausgearbeitet.

HITZE

z.B. Begrünung, Verschattung, Informationen über Ozonwerte, Hitze-Sicherheitskonzept, Trinkwasserspender,…

STARKREGEN

z.B. Begrünung von Fassaden und Dächern, Flächenentsiegelung, Überdachung, kontinuierliche Niederschlagmessungen, Regenwassernutzung, …

40 Massnahmen
für den FSV

Das Öko-Institut hat
40 konkrete Maßnahmen auf Basis der gesamten gesammelten Informationen identifiziert, um unserem Verein die Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern. 
Unter folgendem Link werden die Maßnahmen im Detail gezeigt:

Stürme & Gewitter

z.B. Notfallplan Gewitter, Blitzableiter, Maßnahmenplan Starkwind, Warnapps, …

Schnee & Kälte

z.B. Wetterfestigkeit überprüfen, Begrünung von Fassaden, Warnsysteme, …

Wir sind Teil des Förderprogramms „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen (AnpaSo) im Rahmen des Programms „Nationale Klimaanpassung“ vom 29.04.2024 

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